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„Reda Kateb simuliert als Django dessen hochvirtuose Gitarrenkunst perfekt.“
Spiegel Online

DER FILM


Frankreich, 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.

In seinem Regiedebüt porträtiert Étienne Comar einen unkonventionellen Künstler und Freigeist, dessen Leben so improvisiert war wie seine Musik. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen. Reda Kateb brilliert in der Rolle des Ausnahme-Künstlers an der Seite von César-Gewinnerin Cécile de France.

Reda Kateb

Cécile de France

Étienne Comar

Filmografie (Auswahl)
Interview
Filmografie (Auswahl)
Interview
Über den Regisseur
Interview
Cast

Reda Kateb
Cécile de France


Crew

Regisseur

2009 EIN PROPHET (Regie: Jacques Audiard)

2013 ZERO DARK THIRTY (Regie: Kathryn Bigelow)

2013 GARE DU NORD (Regie: Claire Simon)
2014 HIPPOCRATE (Regie: Thomas Lilti)
2015 DEN MENSCHEN SO FERN (Regie: David Oelhoffen)
2015 LOST RIVER (Regie: Ryan Gosling)
2015 LES CHEVALIERS BLANCS (Regie: Joachim Lafosse)
2016 DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ (Regie: Wim Wenders)

Wie gut war Ihnen die Person Django Reinhardt bekannt?

Ich wusste nur wenig über ihn. Wie viele Menschen kannte ich nur ein paar Stücke. Ich wusste, dass er bei einem Feuer praktisch zwei seiner Finger verloren hatte, aber darüber hinaus wusste ich nichts über sein Leben. Einiges habe ich dann im Internet gefunden, wie das vierminütige Video, in dem er in New York mit Grappelli spielt. Ich habe auch von der Aufnahme mit Jean Sablon und Naguine, seiner Frau, erfahren, die am Ende eines wohl feucht-fröhlichen Abends entstand. Dann gibt es einige wenige Interviews mit Ton, insbesondere das von der Ausstellungseröffnung mit seinen Gemälden – er begann mit einem Mal zu malen. Mit seiner lakonischen Art spricht er mit einem Reporter: „Welche Musiknote würde man ihren Bildern zuordnen?“ - „Fis-Moll“ - „Wieso?“ - „Weil das mysteriöser ist.“ Ich habe mich der Figur über längere Zeit angenähert und nach Hinweisen gesucht. Étienne hat mir einiges an Material gegeben, vor allem einen großen Stapel Bücher. Er hat mir verraten, dass Django Clark Gable sehr verehrte. Das hat mir sehr geholfen, besser noch als die Bilder von Django selbst. Wenn man für eine Figur recherchiert, ist es sehr bereichernd zu schauen, wie die Figur selbst gern gewesen wäre. Also habe ich viele Clark Gable-Filme geschaut.

Django hat beim Spielen immer viel Körpereinsatz gezeigt.

Ja, er war immer sehr energisch. Ich war froh, nicht mehr als den vierminütigen Film von ihm zu haben, denn so kam ich nicht in Versuchung ihn zu imitieren. Django ist keine Persönlichkeit, die uns nahe ist, es gibt nur wenige Bilder von ihm. Also musste ich den Django meiner Vorstellung mit dem Django aus Étiennes Vorstellung und dem Django, über den ich Informationen gesammelt hatte, verbinden. Und dann musste ich das alles verkörpern, basierend auf etwas aus meinem tiefsten Inneren. Es musste glaubwürdig sein. So begann ich, in Gypsy-Jazz-Lokale zu gehen und manchmal war es fast furchteinflößend zu sehen, wie viele bereits ihr eigenes Bild von ihm hatten. Django ist mehr als nur eine fiktionale Figur. Es liegt eine große Verantwortung darin, eine Person zu spielen, die manchen wie ein Gott erscheint. Es war mir wichtig, dass diese Leute sich nicht betrogen fühlen würden. Als Étienne mir sagte, dass David Reinhardt, Djangos Enkel, den Film und meine Arbeit mochte, war ich überglücklich.

Musik ist ein wichtiger Teil Ihres Lebens. Konnten Sie vorher schon Gitarre spielen?

Ich spielte bereits Qaraqib, eine Art große Metallkastagnetten, und Gimbri, eine traditionelle dreisaitige Kastenhalslaute. Ein wenig Erfahrung mit Saiteninstrumenten hatte ich also schon, aber ohne dass ich jemals so ernsthaft daran gearbeitet hätte, wie ich es für den Film getan habe. Es war sozusagen die Weiterführung meiner Entwicklung als Amateurmusiker. Ich habe lange darauf gewartet, der Musik mehr Zeit widmen zu können. So begann ich, Gitarrenstunden zu nehmen. Ich versuchte mich zunächst an leichteren Stücken von Bob Dylan. Während ich andere Filme drehte, hatte ich immer meine Gitarre in der Garderobe, um zu üben. Django war somit immer da. Aber selbst mit einer 20-jährigen Vorbereitung wäre ich niemals in der Lage gewesen, so zu spielen wie er! Der große Gitarrist Stochelo Rosenberg hat die Lieder für den Film aufgenommen. Christophe Lartilleux war mein Double bei Großaufnahmen von Djangos Händen. Meine Aufgabe war es, nur zu tun, als ob ich spielte – und gleichzeitig die Stücke tief in mir drin zu fühlen. Ich hatte sie so oft gespielt und gehört, dass ich genau wusste, welchen Verlauf die Melodie nehmen würde, wo die Pausen sein würden und so weiter.

2002 BARCELONA FÜR EIN JAHR (Regie: Cédric Klapisch)
2005 L’AUBERGE ESPAGNOLE – WIEDERSEHEN IN ST. PETERSBURG (Regie: Cédric Klapisch)
2006 EIN PERFEKTER PLATZ (Regie: Danièle Thompson)
2008 PUBLIC ENNEMY NO. 1 – MORDINSTINKT (Regie: Jean-François Richet)
2011 DER JUNGE MIT DEM FAHRRAD (Regie: Jean-Pierre Dardenne and Luc Dardenne)
2013 DIE MÖBIUS-AFFÄRE (Regie: Eric Rochant)
2013 BEZIEHUNGSWEISE NEW YORK (Regie: Cédric Klapisch)
2016 DER JUNGE PAPST (Regie: Paolo Sorrentino)

Wie war Ihre erste Reaktion auf das Drehbuch?

Ich habe Django Reinhardt immer sehr bewundert und fand es interessant, dass es sich nicht um ein typisches Biopic handelte, sondern um einen Film, der nur einen bestimmten Teil von Djangos Leben zeigte und der sich auf die Musik und das Schicksal der Sinti konzentrierte. Étiennes Drehbucharbeit zu VON MENSCHEN UND GÖTTERN und seine Zusammenarbeit mit Maïwenn mochte ich sehr. Ich war außer mir vor Freude, als er mir den Part der Louise anbot. Étienne hatte sehr genaue Vorstellungen von ihr. Louise ist eine schöne Frau, bewundert, furchtlos, aber auch schweigsam, düster, ausweichend und ambivalent. Wir können uns nie sicher sein, auf wessen Seite sie steht.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Louise als solche hat es in Djangos Leben nie gegeben, aber für Étienne stand sie für all die Frauen der künstlerischen Intellektuellen in Paris während des Krieges, die Django verehrten und ihm, dem Straßenjungen, eine ganze neue Welt zeigten. Um mir dabei zu helfen in die Rolle zu finden, gab mir Étienne Informationen zu Lee Miller. Ich entdeckte eine faszinierende Frau, die ihre Karriere als Model für die Vogue in New York begann, bevor sie in den 1930er Jahren mit 22 nach Paris kam. Dort wurde sie Fotografin für das Life Magazine und traf Man Ray. Die beiden verliebten sich und sie wurde seine Muse. So geriet sie in einen Strudel aus Partys und schlaflosen Nächten in Paris. Sie traf sich mit den Künstlern aus Montparnasse: Cocteau, Ernst, Bataille, Picasso … Lee Miller war eine freie Frau, sie trug Hosen, fühlte sich wohl in ihrem Körper und sie war mutig. Später wurde sie Kriegsfotografin, sie verabscheute die Nazis. Sie war hitzköpfig und inspirierte mich sehr für die Rolle der Louise. Étienne wollte, dass die Figur eine große Spannungslinie bekam, eine aus Verletzlichkeit und unergründbarer Traurigkeit.

Louise ist glamourös und mondän ...

Sie ist nicht einfach nur eine weitere Frau in Djangos Leben. Étienne wollte, dass sie wie eine Heldin des Film Noir dargestellt wird. Louise ist eine Figur voller Kontraste. Étienne und Christophe Beaucarne drückten das mit Licht und Schatten aus, und ich ließ mich davon leiten. Die Zusammenarbeit zwischen Étienne und Christophe, den ich für einen der besten Kameramänner halte, war faszinierend und ich liebte es, ein Teil davon zu sein. Wie Louise war ich eine Muse, ein Modell in den Händen der Schöpfer von Licht und Bildern.

Nach seinem Abschluss an der Pariser Filmhochschule La Fémis arbeitete Comar zunächst bei Erato Films als Produktionsleiter, unter anderem bei Andrzej Wuławskis BORIS GODUNOV und Maurice Pialats VAN GOGH. Mit den Firmen Playtime und Vendôme Production produzierte er unter anderem Filme von Laurent Bouhnik (ZONZON, MADELEINE 1999, 24 STUNDEN AUS DEM LEBEN EINER FRAU), Nabil Ayouch (MEKTOUB , ALI ZAOUA), Maurice Barthélémy (PAPA) und Philippe Le Guay (ONE FINE DAY, NUR FÜR PERSONAL!). Ab 2009 begann er, für viele von ihm produzierte Filme auch das Drehbuch zu schreiben, so zum Beispiel für VON MENSCHEN UND GÖTTERN und THE PRICE OF FAME von Xavier Beauvois, für DIE KÖCHIN UND DER PRÄSIDENT von Christian Vincent oder MEIN EIN, MEIN ALLES von Maïwenn. 2014 koproduzierte er TIMBUKTU von Abderrahmane Sissako und 2015 war er Ko-Autor für Edouard Delucs GAUGUIN. Mit DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK legt Comar sein Debüt als Regisseur vor.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über Django Reinhardt zu machen?

Ich wollte schon lange das Porträt eines Musikers machen, der sich mit den Härten des Lebens auseinandersetzen muss. Als ich etwa 40 Jahre alt war, habe ich wieder angefangen, mit ein paar Freunden in einer Rockband zu spielen. Was für ein Erlebnis! Es war faszinierend. Ich hatte vergessen, wie leicht man sich selbst von der Außenwelt abnabeln kann, wenn man Musik spielt. Der musikalische Schaffensprozess ist eine Droge, die dich packt und nicht wieder loslässt. Dann fiel mir ein Gespräch ein, das ich als Teenager mit meinem Vater geführt habe. Er hat als junger Mann während des Krieges Djangos Musik gehört und so lange, wie die Schallplatte lief oder der Tanz dauerte, vergaß er die deutsche Besatzung. Und dann war da noch mein Neffe, der gerade begonnen hatte, Gitarre zu lernen und wie verrückt Stücke von Django zu spielen. Ich kam zu dem Schluss, dass generationsübergreifende Musik wie diese, mit ihrem Charme und der Fähigkeit, sofort Freude auszulösen, etwas Verzauberndes, Vitales und Heilsames innehat. Und all das hat dazu geführt, dass ich beschloss, filmisch in das Leben von Django Reinhardt einzutauchen.

Warum haben Sie sich auf die Jahre der Besatzung konzentriert?

Weil diese Periode seines Lebens ein gutes Beispiel dafür ist, wie Musik einen von der Welt abschirmen kann. Swing war offiziell verboten, Sinti und Roma wurden überall in Europa verfolgt, aber Django schien das gar nicht zu bemerken. Er war auf dem Gipfel seines Erfolges. Außerdem ist von diesem Lebensabschnitt nicht viel bekannt – wir wissen mehr über die Zeit danach, als er in die USA emigriert war. Oder über das Feuer in seinem Wohnwagen oder seine Zusammenarbeit mit Grappelli. Ich wollte kein Biopic über Django machen, das einen oberflächlichen Blick auf sein gesamtes Leben wirft. Mir lag mehr daran, den richtigen Zugang zu finden. Dieser Zeitabschnitt vom Sommer 1943 bis zur Befreiung hat es mir erlaubt, Themen anzuschneiden, die mir wichtig sind und mich bewegt haben – vor allem seine Blindheit als Künstler für das, was zu der Zeit vor sich ging, und seine spätere Erkenntnis darüber.

Spielt Reda Kateb, der Darsteller von Django Reinhardt, die Stücke tatsächlich selbst?

Reda hat ein ganzes Jahr gearbeitet, um in der Lage zu sein, die Stücke zu spielen, aber natürlich nicht mit Djangos Fingerfertigkeit und Klangfarbe. Also habe ich den brillanten Jazz-Künstler Stochelo Rosenberg, der im Trio gemeinsam mit seinen Brüdern spielt, gebeten, alle Stücke aufzunehmen und Reda zu unterstützen. Ich habe den beiden zeitgenössische Aufnahmen von Django gegeben, auf die ich mich beziehen wollte. Ich denke, dass diese neuen Aufnahmen, die speziell für den Film gemacht wurden, beweisen, dass Djangos Musik kein bisschen gealtert ist.